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ESG Reporting 2026: Pflicht, Standards, Kennzahlen und Umsetzung

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25. August 2026

ESG-Berichterstattung wird dann wertvoll, wenn Daten, Strategie, Verantwortlichkeiten und Managementprozesse zusammenspielen.

ESG Reporting ist die strukturierte Erfassung, Bewertung und Offenlegung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten. Es verbindet Kennzahlen mit Zielen, Maßnahmen, Risiken, Chancen und Verantwortlichkeiten. Damit schafft ESG Reporting Transparenz nach außen und eine belastbare Grundlage für interne Entscheidungen.

ESG steht für Environmental, Social and Governance. Ein guter ESG Report zeigt, welche ESG-Kriterien relevant sind, wie Fortschritte gemessen werden und welche nachhaltigkeitsbezogenen Risiken und Chancen das Geschäftsmodell beeinflussen.

Was ist ESG Reporting?

ENVIRONMENT
Umwelt Treibhausgasemissionen, Energie, Wasser, Ressourcen, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität.
SOCIAL
Soziales Arbeitsbedingungen, Arbeitssicherheit, Diversität und Menschenrechte.
GOVERNANCE
Unternehmensführung Compliance, Geschäftsethik, Kontrollsysteme und klare Zuständigkeiten.

ESG Reporting bezeichnet die systematische ESG-Berichterstattung zu den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Quantitative ESG-Kennzahlen werden dabei mit qualitativen Informationen zu Strategie, Zielen, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Methoden verbunden.

Ein belastbarer Sustainability Report macht Datenquellen, Methoden und Entwicklungen nachvollziehbar. Werden die Informationen auch für Entscheidungen genutzt, wird aus Berichterstattung ein Managementinstrument.

ESG Reporting Pflicht: Wer muss 2026 berichten?

Für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 umfasst die CSRD nach aktueller EU-Rechtslage grundsätzlich Unternehmen, die mehr als 1.000 Mitarbeitende beschäftigen und einen Nettoumsatz von mehr als 450 Millionen Euro erreichen. Auf Englisch wird der Nettoumsatz in den EU-Regelungen als Net Turnover bezeichnet. Der Bericht über das Geschäftsjahr 2027 wird in der Regel 2028 veröffentlicht.

Die Corporate Sustainability Reporting Directive wurde 2026 im Rahmen von Omnibus I deutlich eingegrenzt. Für Unternehmen der bisherigen ersten Berichtswelle gelten für die Geschäftsjahre 2024 bis 2026 Übergangsregelungen. Für 2025 und 2026 können Mitgliedstaaten zudem bestimmte Unternehmen unterhalb der neuen Schwellenwerte ausnehmen.

In Deutschland ist deshalb die konkrete nationale Umsetzung zu berücksichtigen. Stand 25. August 2026 ist die CSRD noch nicht vollständig in deutsches Recht umgesetzt.

DIREKTE CSRD-RELEVANZ AB 2027
> 1.000
Mitarbeitende
> 450 Mio. €
Nettoumsatz

Auch Unternehmen außerhalb des direkten Anwendungsbereichs erhalten Anfragen nach ESG-Daten – etwa von Kund:innen, Banken, Investor:innen oder berichtspflichtigen Unternehmen in ihrer Wertschöpfungskette.

VSME und Voluntary Standard: Was gilt für kleinere Unternehmen?

VSME

Der VSME wurde von EFRAG für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen entwickelt und 2025 von der EU-Kommission empfohlen. Er bietet einen proportionalen Rahmen für freiwillige ESG-Berichterstattung und hilft insbesondere dabei, wiederkehrende Informationsanfragen von Banken, Kund:innen und Geschäftspartnern strukturiert zu beantworten.

VOLUNTARY STANDARD 2026

Am 3. Juli 2026 hat die EU-Kommission zusätzlich einen neuen Voluntary Standard für kleinere Unternehmen außerhalb der CSRD angenommen. Er basiert auf der VSME-Entwicklung. Stand 25. August 2026 läuft noch die Prüfungsfrist von Europäischem Parlament und Rat. Damit ist der neue Standard noch nicht rechtswirksam.

Value Chain Cap: Unternehmen unterhalb der geschützten Schwelle sollen in der Wertschöpfungskette grundsätzlich nicht zu weitergehenden Nachhaltigkeitsinformationen verpflichtet werden können als im freiwilligen Standard vorgesehen.

Mehr zum VSME für den Mittelstand

Welche Standards sind für Unternehmen relevant?

Der passende Berichtsstandard hängt von Berichtspflicht, Unternehmensgröße und Informationsbedarf ab. Die ESG Reporting Standards verfolgen unterschiedliche Ziele und Wesentlichkeitslogiken.

Standard Fokus Typische Relevanz Wesentlichkeitslogik
ESRS EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD-pflichtige Unternehmen Doppelte Wesentlichkeit
Voluntary Standard Freiwillige Berichterstattung Unternehmen außerhalb der CSRD Proportionaler Ansatz
GRI Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Menschen International berichtende Unternehmen Impact-orientiert
IFRS S1/S2 Nachhaltigkeitsbezogene Finanzinformationen Kapitalmarktorientierte Unternehmen Finanzielle Wesentlichkeit
SASB Standards Branchenspezifische Themen und Kennzahlen Insbesondere Investor:innen Finanzielle Wesentlichkeit

Die European Sustainability Reporting Standards, kurz ESRS, konkretisieren die Anforderungen der CSRD. Am 3. Juli 2026 hat die EU-Kommission überarbeitete ESRS angenommen. Sie sollen die Zahl der verpflichtenden Datenpunkte deutlich reduzieren. Stand August 2026 läuft die Prüfung durch Europäisches Parlament und Rat noch.

International bleiben die Global Reporting Initiative und die GRI Global Standards relevant. Die IFRS Foundation verantwortet IFRS S1 und IFRS S2 sowie die vom Sustainability Accounting Standards Board, kurz SASB, entwickelten Standards. Auch die Task Force on Climate-related Financial Disclosures prägte klimabezogene Angaben. Unternehmen sollten klären, welcher Standard maßgeblich ist.

Welche Rolle spielt die EU-Taxonomie?

Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Sie definiert sechs Umweltziele und legt Kriterien fest, anhand derer wirtschaftliche Aktivitäten als taxonomiekonform bewertet werden können. Für betroffene Unternehmen spielen unter anderem Umsatz, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben eine Rolle.

Die EU-Taxonomie ersetzt weder ESG Reporting noch die ESG-Strategie. Sie prüft, welche wirtschaftlichen Aktivitäten definierte ökologische Kriterien erfüllen. ESG-Berichterstattung betrachtet dagegen breiter Environmental, Social and Governance sowie Auswirkungen, Risiken, Chancen, Ziele und Maßnahmen.

EU-Taxonomie ✓ Klassifiziert Wirtschaftsaktivitäten ✓ Sechs Umweltziele ✓ Kriterien für Taxonomiekonformität ✓ KPIs wie Umsatz, CapEx und OpEx

Welche Kennzahlen sollten Unternehmen erfassen?

ESG-Kennzahlen sollten nicht deshalb erhoben werden, weil sie grundsätzlich verfügbar sind. Entscheidend ist, ob sie für Geschäftsmodell, wesentliche Auswirkungen sowie finanzielle Risiken und Chancen relevant sind. Im ESRS-Kontext werden diese als Impacts, Risks and Opportunities, kurz IROs, betrachtet.

Environmental

Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen, Energie, Wasser, Abfall

Steuerungsfrage: Wo entstehen die größten Umweltwirkungen und Reduktionspotenziale?
Social

Arbeitsunfälle, Fluktuation, Weiterbildung, Diversität

Steuerungsfrage: Wo bestehen Risiken für Mitarbeitende und Wertschöpfungskette?
Governance

Compliance-Fälle, Kontrollen, Verantwortlichkeiten

Steuerungsfrage: Sind Prozesse und Zuständigkeiten belastbar verankert?

Die Qualität der ESG-Daten ist mindestens so wichtig wie die Auswahl der Kennzahlen. Prüffähiges ESG Reporting braucht Datenquellen, Berechnungsmethoden, Verantwortlichkeiten, Freigaben und Historie. Excel kann für den Einstieg funktionieren. Bei mehreren Standorten, Gesellschaften und Berichtszyklen entstehen jedoch schnell Versionsprobleme, Medienbrüche und unnötige Abstimmungen.

Wie ist ein ESG Report aufgebaut?

Ein ESG Report sollte Leser:innen schnell zeigen, welche Themen wesentlich sind, wie das Unternehmen sie steuert und welche Entwicklung messbar ist. Ein praxisnaher Aufbau umfasst beispielsweise:

1. Unternehmensprofil und Berichtsgrenzen
2. Wesentlichkeitsanalyse und relevante ESG-Kriterien
3. ESG-Strategie, Governance und Verantwortlichkeiten
4. Umweltkennzahlen und Maßnahmen
5. Sozialkennzahlen und Maßnahmen
6. Governance-Kennzahlen und Kontrollprozesse
7. Ziele, Fortschritte und Entwicklung zum Vorjahr
8. Auswirkungen, Risiken und Chancen
9. Methodik, Datenquellen und Erläuterungen

Ein produzierendes Unternehmen kann beispielsweise Energie, CO₂e-Emissionen und Arbeitssicherheit als wesentliche Themen identifizieren. Der ESG Bericht zeigt dann je Thema Ausgangswert, Ziel, Kennzahl, Maßnahme und Verantwortlichkeit. So wird aus einer Sammlung von ESG-Daten eine klare Entscheidungsgrundlage.

In sechs Schritten zum belastbaren ESG Report

1

Ziel und Anwendungsbereich klären

Prüfen, ob eine ESG Report Pflicht besteht, welche Stakeholder Informationen verlangen und welche Gesellschaften, Standorte und Wertschöpfungsstufen einbezogen werden müssen.

2

Wesentliche Themen bestimmen

Auswirkungen, Risiken und Chancen identifizieren. Für CSRD-Unternehmen ist die doppelte Wesentlichkeit zentral.

3

Gap-Analyse durchführen

Vorhandene ESG-Daten mit benötigten Angaben vergleichen und Lücken bei Datenquellen, Methoden oder Verantwortlichkeiten identifizieren.

4

Datenmanagement etablieren

Erhebung, Prüfung, Freigabe und Dokumentation definieren und eine zentrale Datenbasis aufbauen.

5

Berichterstattung und ESG-Strategie verbinden

ESG-Kennzahlen mit Zielen, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten verknüpfen.

6

Bericht erstellen und weiterentwickeln

Nach dem ersten Berichtszyklus Datenqualität, Prozesse und Methoden systematisch verbessern.

Fünf typische Fehler in der Berichterstattung

1. Kennzahlen vor Wesentlichkeit sammelnDas erzeugt Datenmenge, aber nicht automatisch relevante Informationen.
2. Verantwortlichkeiten nicht festlegenOhne klare Data Owner bleiben Rückfragen, Kontrollen und Freigaben hängen.
3. Unterschiedliche Methoden nutzenDas erschwert Konsolidierung und Vergleichbarkeit zwischen Standorten.
4. Datenquellen nicht dokumentierenFehlende Nachweise werden spätestens bei Kontrollen oder Prüfungen problematisch.
5. Reporting von Strategie trennenESG Reports entfalten wenig Steuerungswirkung ohne Ziele, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten.

ESG Reporting in der Praxis: drei ConClimate-Beispiele

Praxis zeigt, dass ESG Reporting belastbar wird, wenn Datenmanagement, Wesentlichkeit, CO₂-Bilanzierung und Strategie zusammengedacht werden.

OECHSLER

Corporate Carbon Footprints, Product Carbon Footprint Rechner, doppelte Wesentlichkeitsanalyse und ESRS-konformes Reporting wurden in einer digitalen Struktur verbunden. ESG-Daten werden zentral erfasst und für interne Steuerung sowie externe Anforderungen nutzbar.

Zur Referenz
KLINGSPOR

Bei Klingspor wurden Scope-1- bis Scope-3-Emissionen für mehr als 30 Produktions- und Vertriebsstandorte strukturiert erfasst. ESG-Daten lassen sich auf Standort- und Konzernebene zusammenführen und für Berichterstattung sowie strategische Entscheidungen nutzen.

Zur Referenz
L’OSTERIA

Bei L’Osteria mit systemweit rund 200 Standorten in neun europäischen Ländern diente die doppelte Wesentlichkeitsanalyse dazu, relevante Nachhaltigkeitsthemen sowie Auswirkungen, Chancen und Risiken strukturiert zu bestimmen. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage für ESG Reporting, Datenmanagement und die weitere strategische Ausrichtung.

Zur Referenz

Der gemeinsame Nenner: Der ESG Report ist nicht der Startpunkt. Belastbare Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und eine zentrale Datenbasis kommen zuerst.

Warum sich freiwillige ESG-Berichterstattung lohnt

KundenanfragenESG-Daten schneller und konsistenter beantworten.
Banken & FinanzierungRisiken, Ziele und Maßnahmen nachvollziehbar darstellen.
Interne SteuerungFortschritte messen und Themen in Einkauf, Controlling und Risikomanagement nutzen.

ESG-Berichterstattung kann auch ohne ESG-Berichtspflicht wirtschaftlich sinnvoll sein. Unternehmen beantworten Kunden- und Bankenfragen effizienter, erkennen Risiken früher und machen Fortschritte messbar. Gleichzeitig lassen sich dieselben ESG-Daten für Einkauf, Controlling, Risikomanagement, Kommunikation und Unternehmenssteuerung nutzen.

Das ist für Unternehmen relevant, die regelmäßig Datenanfragen aus der Wertschöpfungskette erhalten. Ein standardisierter ESG Report kann Doppelarbeit reduzieren und Anfragen konsistenter beantworten.

Häufige Fragen zur ESG-Berichterstattung

Ist ESG Reporting für KMU Pflicht?

Für die meisten KMU besteht nach dem 2026 eingegrenzten CSRD-Anwendungsbereich keine direkte ESG Reporting Pflicht. ESG-Daten können trotzdem von Kund:innen, Banken oder Geschäftspartnern angefragt werden. Der VSME beziehungsweise künftig der Voluntary Standard bietet dafür einen proportionalen Rahmen.

Was ist der Unterschied zwischen ESG Report und Nachhaltigkeitsbericht?

Die Begriffe überschneiden sich. Ein ESG Report fokussiert strukturiert auf Environmental, Social and Governance und messbare ESG-Kennzahlen. Ein Nachhaltigkeitsbericht kann breiter angelegt sein. Entscheidend ist, welche Standards und Anforderungen das Unternehmen anwendet.

Wie lange dauert die Einführung?

Das hängt von Unternehmensgröße, Datenverfügbarkeit, Anzahl der Standorte und Berichtsumfang ab. Der größte Aufwand liegt häufig nicht im Schreiben der ESG Reports, sondern im Aufbau belastbarer Datenprozesse, Methoden und Verantwortlichkeiten.

Braucht man dafür eine Software?

Nicht zwingend. Bei wenigen Kennzahlen kann ein manueller Ansatz ausreichen. Mit mehreren Gesellschaften, Standorten und wiederkehrenden Datenabfragen kann Software Konsolidierung, Nachvollziehbarkeit und Freigabeprozesse jedoch deutlich vereinfachen.

Wie hängen Berichterstattung und Strategie zusammen?

Reporting zeigt, wo ein Unternehmen steht und wie sich Kennzahlen entwickeln. Eine ESG-Strategie legt Prioritäten, Ziele und Maßnahmen fest. Werden beide verbunden, entstehen aus ESG-Daten konkrete Steuerungsimpulse.

Fazit: ESG Reporting als Steuerungsinstrument

ESG Reporting wird dann wirksam, wenn es nicht als isolierte ESG Berichtspflicht verstanden wird. Wesentlichkeit, belastbare ESG-Daten, passende Standards und klare Verantwortlichkeiten schaffen eine tragfähige Grundlage für regulatorische Anforderungen, Stakeholder-Anfragen und interne Entscheidungen.

ConClimate unterstützt Unternehmen dabei, Anforderungen einzuordnen, ESG-Datenstrukturen aufzubauen und ESG Reporting mit Strategie und digitalem Datenmanagement zu verbinden. So entsteht eine ESG-Berichterstattung, die zum Reifegrad und zu den Strukturen des Unternehmens passt – pragmatisch, fundiert und im Alltag umsetzbar.

ESG Reporting effizient aufsetzen

Beratung, Datenmanagement und Software sinnvoll verbinden

ConClimate unterstützt Sie dabei, ESG Reporting passend zu Ihren Strukturen, Ihrem Reifegrad und Ihren Anforderungen aufzubauen.

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