15. Oktober 2026
Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland neue Regeln für Umweltaussagen in der Werbung. Grundlage ist die EU-Richtlinie 2024/825, die sogenannte EmpCo-Richtlinie („Empowering Consumers for the Green Transition“). Der deutsche Gesetzgeber hat sie mit einer Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt.
Kurz gesagt: Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, muss jetzt genau sagen, was gemeint ist, und es belegen können. Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“ oder „klimaneutral“ reichen nicht mehr. Einige Aussagen sind sogar ohne Ausnahme verboten.
Das betrifft nicht nur die Verpackung. Erfasst sind die Website, Produktdatenblätter, Social Media, Kataloge, Pressemitteilungen und auch das Verkaufsgespräch. Verstöße können von Mitbewerbern, Verbänden und Verbraucherzentralen abgemahnt werden.
Aussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“, „öko“, „klimafreundlich“ oder „nachhaltig“ sind verboten, wenn keine nachweisbare, anerkannte hervorragende Umweltleistung dahintersteht. Das Wort selbst ist nicht das Problem. Das Problem ist die fehlende Konkretisierung direkt in der Aussage.
Aussagen, ein Produkt sei „klimaneutral“, „CO₂-neutral“ oder „klimapositiv“, sind verboten, wenn sie auf dem Ausgleich von Emissionen über Zertifikate beruhen. Die Qualität der Zertifikate ändert daran nichts. Klimaschutzprojekte dürfen Sie weiterhin unterstützen und darüber transparent berichten, aber nicht als Eigenschaft des Produkts.
Siegel und Labels sind nur noch erlaubt, wenn sie auf einem Zertifizierungssystem mit unabhängiger Drittprüfung beruhen oder staatlich festgelegt sind. Selbst entwickelte Logos und „Hauslabels“ ohne externe Prüfung fallen weg.
Wer eine Verbesserung bei einem einzelnen Bauteil, Standort oder Prozess erreicht, darf sie nicht dem ganzen Produkt oder Unternehmen zuschreiben. Eine recycelte Verschlusskappe macht noch keine „nachhaltige Flasche“.
Was ohnehin vorgeschrieben ist, darf nicht als Besonderheit des eigenen Angebots beworben werden. Ein Beispiel ist „frei von“ einem Stoff, der in dieser Produktkategorie gesetzlich verboten ist.
Ziele wie „Net Zero bis 2040“ oder „klimaneutral bis 2035“ sind nur noch zulässig, wenn ein konkreter, realistischer Umsetzungsplan mit messbaren Zwischenzielen dahintersteht. Dieser Plan muss regelmäßig von unabhängigen Sachverständigen überprüft werden. Ein Ziel ohne Fahrplan ist ab sofort ein Risiko.
Die gute Nachricht: Fast jede Aussage lässt sich retten, wenn man konkret wird. Die Beispiele sind illustrativ, die Zahlen müssen natürlich zu Ihrem Produkt passen und belegt sein.
| Vorher (riskant) | Nachher (konkret und belegbar) |
|---|---|
| Umweltfreundliche Verpackung | Verpackung aus 80 % recyceltem Kunststoff |
| Klimaneutrales Produkt | Wir haben die CO₂-Emissionen pro Produkt seit 2021 um 35 % gesenkt. Zusätzlich unterstützen wir Klimaschutzprojekte. |
| Nachhaltig produziert | Hergestellt mit 100 % Ökostrom an unserem Standort in Augsburg |
| Net Zero bis 2040 | Ziel: –91 % Emissionen in Scope 1 und 2 bis 2030, von der SBTi validiert, jährlicher Fortschrittsbericht |
| Grüne Logistik | 60 % unserer Lieferungen im Stadtgebiet erfolgen per E-Lastenrad |
Die Regeln gelten bereits. Diese sechs Schritte senken Ihr Abmahnrisiko schnell, ohne großes Projekt.
Bonus: Legen Sie für jede verbleibende Aussage die Belege ab, also Daten, Berechnungen, Zertifikate. Im Ernstfall müssen Sie diese schnell vorlegen können.
Statt Listen mit verbotenen Wörtern auswendig zu lernen, hilft ein einfacher Check. Stellen Sie sich vor jeder Veröffentlichung drei Fragen.
Was soll die Leserin oder der Kunde nach dieser Aussage glauben? Wenn die Antwort „dass wir gut für die Umwelt sind“ lautet, ist die Aussage zu vage.
Welche konkreten Fakten, Daten und Zahlen tragen die Aussage? Und könnte ich sie morgen vorlegen?
Was genau wurde verbessert, um wie viel, seit wann und für welchen Teil des Produkts oder Unternehmens?
Wer diese drei Fragen ehrlich beantwortet, landet fast automatisch bei einer Aussage, die rechtlich hält.
Die neuen Regeln machen Nachhaltigkeitskommunikation nicht unmöglich. Sie machen sie konkreter. Unternehmen, die wirklich etwas leisten, profitieren davon, denn ihre Fortschritte heben sich endlich von leeren Versprechen ab.
Wir prüfen Ihre Claims, zeigen Ihnen die Risiken und formulieren gemeinsam mit Ihnen konforme Alternativen.
Das könnte sie auch interessieren